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Eine Reise: Mit der Tür durch die Kunst


Türen sind weit mehr als funktionale Bauelemente – sie erzählen Geschichten, wecken Neugier und markieren Übergänge. In der Kunst werden sie seit Jahrhunderten als kraftvolle Symbole für Aufbruch, Geheimnisse und neue Perspektiven inszeniert.


Türen als Symbol in der Kunst – zwischen Realität und Bedeutung

In der Kunst haben Türen eine besondere Rolle: Sie stehen nicht nur für Architektur oder Raumgestaltung, sondern vor allem für Übergänge – zwischen Innen und Außen, Bekanntem und Unbekanntem oder Vergangenheit und Zukunft.

Künstler nutzen Türen gezielt als Symbol. Eine geöffnete Tür kann Neugier, Hoffnung oder neue Möglichkeiten darstellen, während eine verschlossene Tür für Geheimnisse, Grenzen oder unerreichbare Ziele steht. Besonders in der Malerei, Fotografie und modernen Kunst werden Türen oft bewusst inszeniert, um Emotionen auszulösen oder Geschichten anzudeuten.

Im Gegensatz zur realen Welt, in der Funktionalität, Sicherheit und Design im Vordergrund stehen, wird die Tür in der Kunst abstrahiert und interpretiert. Sie wird zur Projektionsfläche für Gedanken, Träume und individuelle Bedeutungen.

Gerade diese Vielschichtigkeit macht Türen zu einem faszinierenden Motiv – sowohl im kreativen Kontext als auch in der realen Architektur, wo sie ebenfalls Räume verbinden und Erlebnisse prägen.


Von der Antike bis zur Moderne 

Erste Abbildungen von Türen, sog. ‚Scheintüren‘, finden sich bereits in antiken Grabkammern ägyptischer Pharaonen. Sie sollten ihnen den rechten Weg ins Jenseits weisen. Mit Beginn der Moderne im späten 19. Jahrhundert sind Türen in der Malerei des sog. Symbolismus ein Sinnbild für den Zugang zu allem, was übersinnlich und unerklärlich erscheint: extreme Gefühle, Träume und Ekstasen, aber auch Krankheit, Tod und Sünde – zentrale Themen der Kunstströmungen dieser Zeit, die die bis dahin dominierenden realistischen, am Materiellen und Äußerlichen haftende Darstellungsweisen überwinden wollten. An dieses Anliegen knüpfte Anfang des 20. Jahrhunderts dann auch in Kunst und Literatur der Surrealismus an – ‚surreal‘ bedeutet traumhaft oder unwirklich und Türen erhielten als Symbol in der Malerei jener Zeit eine wichtige Bedeutung.

Surrealistischen Künstlern ging es um Bewusstseinserweiterung und Infragestellung traditioneller Werte. Die Art, wie die Wirklichkeit wahrgenommen und interpretiert wurde, wurde mit radikal ungewöhnlichen Bildkompositionen hinterfragt. Dazu passte das Abbild der Tür als Tor zu einer höheren Realität perfekt. Diese Symbolik hat besonders den bekannten belgischen Surrealisten René Magritte zu zahlreichen ausdrucksstarken Werken mit Abbildungen von Türen inspiriert. Er entführt den Betrachter auf eine Gedankenreise mit dem Ziel eines neuen, erweiterten Bewusstseins für die Wirklichkeit.

Zwei goldene Türflügel mit ägyptischen Hieroglyphen und großen Flügelmotiven; warmes Seitenlicht betont feine Feder-Details.
Reihe rechteckiger Türöffnungen in perspektivischer Tiefenansicht; rotbraune Türrahmen vor ockerfarbenen Wänden und dunklem Boden, die sich zur Bildmitte hin verkleinern.

Türen in der zeitgenössischen Kunst – zum Beispiel Fabian Hochscheid

Der Kölner Maler Fabian Hochscheid vereint in seinen Werken die Liebe zur äußerst detailgetreuen malerischen Tradition von Renaissance und Barock mit der modernen künstlerischen Fragestellung nach dem tieferen, ‚wahren‘ Wesen der Dinge. In seinen Bildern auf Holz und Leinwand widmet er sich in altmeisterlicher Manier der hyperrealistischen Darstellung von Alltagsgegenständen, unter anderem Türen, Fenster, Treppen und Lichtschalter.

Er hat eine ganze Bildreihe der Darstellung von Türen gewidmet und erklärt dazu: „Die Tür hat isoliert keine besondere Bedeutung in meinen Bildern, aber der Raum in seinen verschiedenen Aspekten ist mein Thema und daher erhält die Tür ihre Wichtigkeit. Als Eingang bietet mir eine Tür die Möglichkeit, den Raum zu erkunden. Im geschlossenen Zustand bietet sie einen Schutzraum vor der Außenwelt – aber wie das Leben so spielt… oft versagt der Schutz.“ Daher fehlt in seinen Bildern der Tür oft das Türblatt. Die Türöffnung gestattet so ungehinderten Zugang in beide Richtungen und wird zu einer geheimnisvollen Schwelle zu ungekannten Möglichkeiten.

Gemälde mit drei rechteckigen Türöffnungen in einer abblätternden dunkelgrünen Wand; durch die Öffnungen ergießt sich ein helles gelb-grünes Farbfeld auf den Boden; im Hintergrund angedeutete, turmähnliche verwitterte Bauwerke in Pastelltönen; Boden mit Rissen und Farbschichten.
Heller Raum mit beige-kariertem Boden und hellblauer Wand; links eine dunkle, rechteckige Türöffnung mit langem Schatten; rechts ein bogenförmiges Fenster mit geteilten Scheiben; davor ein gelb-grünliches, organisch geformtes Objekt auf einem dünnen, knorrigen Stängel
Gemälde eines Innenraums: zweifeldige Tür rechts, heller Lichtstreifen auf Holzbohlenboden, links Wand mit drei rechteckigen Nischen
Innenraumgemälde mit drei hohen, rechteckigen Türöffnungen in hellgelben Wänden; zwei mittlere Türen rot gerahmt und hintereinander angeordnet; Boden als blaues Wasser, das durch die Türöffnungen zum hellen Horizont fließt; rechte Türöffnung dunkelblau mit gelbem Rand; deutliche perspektivische Tiefe.

Einladung zum Ausflug ins eigene Selbst

Im Bild „Große Tür“ (Acryl-/Ölfarbe auf Leinwand, 75x85cm, 2009) fällt Fabian Hochscheids exquisite, detailgenaue Malweise sofort ins Auge – das Werk zeigt den Ausschnitt eines leeren Raumes, der Glanz des Bodens, detaillierte Farbschattierungen auf den Wänden sind sehr fein nuanciert dargestellt. Licht fällt aus unbekannter Quelle – ein hohes Fenster? – wie ein Hinweis auf eine halb geöffnete, etwas altertümlich anmutende Kassettentür. Das Szenario ist realistisch und zugleich in seiner idealisierten Darstellungsweise nicht unserer jetzigen Lebenswirklichkeit entlehnt. Kommt es aus einer anderen, entschleunigten Zeit?

Die ‚Große Tür‘ ist uns als bildliche Erinnerung vertraut, man könnte sie in der Kindheit schon einmal gesehen haben. Gleichzeitig lädt sie dazu ein, ein Geheimnis im hinter ihr liegenden Raum zu entdecken: sie verheißt eine Reise ins eigene Bewusstsein, eine Begegnung mit sich selbst, auch einen Spiel- und Rückzugsraum für die Bilder der eigenen Fantasie. Fabian Hochscheid inspiriert hier, wie in vielen seiner Arbeiten, mit einem hochästhetisierten, an Alltagserfahrungen anknüpfenden Motiv, das aus der Vertrautheit heraus einen Spannungsbogen ins Unbekannte schlägt, dorthin, wo der individuelle Traum jedes einzelnen Betrachters beginnt…


Eine Reise: Mit der Tür durch die Kunst

Geraubte Tür mit Streetart wiederaufgetaucht

Mehr über Fabian Hochscheid und sein Werk können Sie über die Kunstagentin Sabine Klement erfahren; einen Einblick in weitere Arbeiten des Künstlers finden Sie hier.

Aktuell macht eine Tür, die ein Kunstwerk trägt, Furore. Der bekannte Londoner Streetart-Künstler Banksy soll die Tür des Pariser Bataclan-Clubs mit dem Bildnis einer verschleierten Frau besprayt haben. In dem Club fanden nach einem Terroranschlag im November 2015 neunzig Menschen den Tod. Die Tür mit dem Banksy zugeschriebenen Werk wurde im Januar 2019 gestohlen, die Täter schnitten das Kunstwerk später brachial heraus. Jetzt ist dieses Türstück in Italien wiederaufgetaucht und der Kunstraub steht vor seiner Aufklärung.

Bis zum 26.7. können Sie Bilder von Fabian Hochscheid live in einer Ausstellung erleben. Er ist Teil der Sommerausstellung in St. Clemens am Rhein, die 60 ehemalige Studierende der alten Kölner Werkschule präsentiert.


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